Interview der Hamburgischen Kulturstiftung mit Yvonne Trübger
Aus welchen Gründen engagiert sich das Pianohaus Trübger für Kultur?
Als Hamburgs traditionsreichstes Pianohaus verstehen wir uns auch über die Musik hinaus als Teil des Gemeinwesens und fördern die unterschiedlichsten Gruppen und Projekte. Besonders wichtig ist uns das Engagement für den Nachwuchs, denn an den Schulen wird Musikunterricht gekürzt, oft fehlen die Fachlehrer ganz und die Wartezeiten an den Jugendmusikschulen sind bis zu drei Jahre lang. Oft ist das Budget für Kultur knapp, besonders bei Familien und darum sind unsere Hauskonzerte immer kostenfrei. Eltern berichten uns von fehlenden Instrumenten in Kindergärten und Tagesstätten, darum spenden wir jedes Jahr ein Klavier und schaffen damit die Möglichkeit zum Musizieren.
Viele Projekte sind so als unmittelbare Reaktion auf die Bedürfnisse der Menschen entstanden und dieser Beitrag entspricht unserem grundsätzlichen Verständnis von verantwortungsvollem, unternehmerischen Handeln.
Was kann unternehmerische Kulturförderung leisten, und was versprechen Sie sich davon für Ihr Haus?
Art und Umfang sind sicher abhängig von Branche und Größe, aber entscheidend ist die grundsätzliche Bereitschaft, sich gesellschaftlicher Verantwortung zu stellen. Diese Verantwortung auch zu übernehmen, ist für uns seit der Gründung des Familienbetriebs 1872 selbstverständlich und jede Generation hat dabei das Engagement weiter ausgebaut. Für meinen Vater war die Förderung junger Musiker eine Herzensangelegenheit – er hat bereits vor über 40 Jahren begonnen, den Wettbewerb „Jugend musiziert“ zu unterstützen. Daraus ist später der „Trübger-Klassik-Preis“ geworden, den wir jährlich vergeben. In der Zusammenarbeit mit dem Hamburger Verband der Tonkünstler und Musiklehrer unterstützen wir jedes Jahr einen weiteren Wettbewerb. Eigene Hauskonzerte gibt es bereits seit Gründung des Unternehmens, bis heute sind dies etwa 3000 Veranstaltungen.
Jüngstes Projekt ist dabei die Jazz-Piano-Konzertreihe „Taste“, um ausschliesslich Jazz Klaviersolisten zu fördern. So können in diesem Jahr an die 500 Besucher Lässig-Beschwingtes „kosten“ – es muss eben nicht immer Klassik sein.
Besonders stolz sind wir auf unsere Kita-Aktion. Das Projekt ist verbunden mit dem Unicef-Weltkindertag, sowie mit dem Unabhängigen Liberalen Wirtschaftsforum e.V..
Was würden Sie einem Unternehmen raten, das überlegt, ob es in die Kulturförderung einsteigen soll?
Meiner Überzeugung nach sollte jedes Unternehmen eine Verpflichtung eingehen, egal in welchem Umfang, ob im Bereich Kultur oder auf sozialer Ebene. Natürlich können große Konzerne eigene Projekte leichter verwirklichen. Aber auch die kleinen und mittelständischen Betriebe sollten einen Beitrag leisten, z.B. durch Unterstützung von überschaubaren Projekten in der direkten Nachbarschaft, auch wenn das vielleicht nicht immer so prestigeträchtig ist, denn: „Viele kleine Leute, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern“.